Pädagogisches Konzept

Unser pädagogischer Ansatz
Unserer pädagogischen Arbeit liegt ein christliches Menschen- und Weltverständnis zugrunde.
Wir anerkennen ausdrücklich das Recht jedes Kindes auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und seiner Interessen und fördern es im Rahmen unserer Möglichkeiten durch die vielfältigen Angebote und durch unser durchdachtes Betreuungskonzept.
Ausgehend vom Begriff der Menschenwürde, die jedem Menschen in gleicher Weise eignet, erziehen wir die Kinder zu Achtsamkeit, Rücksicht und Toleranz gegenüber anderen Menschen.
Wir möchten, dass die Kinder den Wert von Leben an sich, also auch von Tieren und Pflanzen ihrer Umgebung schätzen und sich entsprechend verhalten.
Wir sensibilisieren die Kinder für die Umwelt, die sie umgibt und erziehen sie zu sorgsamem und umweltbewusstem Umgang mit Ressourcen.

Unser Kindergarten soll erfüllt sein von einer Atmosphäre der Wärme und Fröhlichkeit, in der Kinder liebevoll behandelt werden und sich angenommen fühlen. Wir betrachten sie nicht als „unfertigen Erwachsene“, über die mehr oder weniger verfügt werden kann. Sie sind von klein auf individuelle Persönlichkeiten mit eigenen Ernst zu nehmenden Bedürfnissen, Interessen und Probleme. Ihnen soll die Möglichkeit gegeben werden, eigenständig und selbstbestimmt wichtige Schlüsselkompetenzen zu erwerben, um in ihrem jetzigen und späteren Leben handlungsfähig zu sein.

Ich-Kompetenzen: z.B. Reflexionsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Verantwortung und eigenverantwortliches Handeln, Kritikfähigkeit, Flexibilität, Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen

Sozialkompetenzen: z.B. Kommunikationsfähigkeit, Wertschätzung, Toleranz, Solidarität, Hilfsbereitschaft, Einfühlungsvermögen, Kooperationsfähigkeit, Kompromissbereitschaft, Fähigkeit des Zuhörens

Sachkompetenzen: z.B. Umgang mit verschiedenen Arbeitsmitteln (Schere, Stift, Hammer, Säge etc.), Aus- und Anziehen

Emotionale Kompetenzen: z.B. Fähigkeit Gefühle zu äußern, Umgang mit und Verarbeitung von Enttäuschungen, Umgang mit schwierigen Situationen, Einschätzung der eigenen Gefühle

Kennzeichnend für unsere Arbeit ist eine Werteerziehung, die sich an den genannten Grundüberzeugungen orientiert. Dabei ist es besonders wichtig, eine Balance zu finden zwischen der Berücksichtigung individueller Bedürfnisse einzelner Kinder und denen der Gruppe, der sie angehören. Die Kinder müssen lernen, dass sie Teil einer Gemeinschaft sind, die aus möglicherweise sehr unterschiedlichen Individuen mit je eigenen Interessen besteht. Alle haben ein Recht auf Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Dies erfordert Rücksicht, Kompromisse, Einschränkung oder Zurückstellung von eigenen Wünschen – ein wichtiger Lernprozess für glückendes Leben in einer Gemeinschaft.

Konfessionelle und parteiliche Unabhängigkeit
Der Vinxeler Kindergarten ist konfessions- und parteiunabhängig. Auch wenn sich die Erziehungsziele am christlichen Menschbild orientieren, sind Menschen aller religiösen und politischen Weltanschauungen eingeladen, im Vinxeler Kindergarten mitzuarbeiten. Ausgenommen sind allerdings Personen, die durch ihr Verhalten zum Ausdruck bringen, dass sie sich menschenverachtenden, rassistischen oder nationalistischen Gedankengut verbunden fühlen.

Eingewöhnungszeit
Vielen Eltern fällt es schwer, sich über die Dauer des Tages von ihrem Kind zu trennen. Und natürlich ist die Kindergartenzeit auch für die Kinder ein deutlicher Einschnitt. Wir nehmen uns deshalb ganz viel Zeit für die Eingewöhnung.

Für das Kind sind Vater oder Mutter die wichtigsten Bezugspersonen. Nur sie können ihrem Kind in der ersten Zeit der Eingewöhnung in den Kindergarten Sicherheit und Halt geben. Es ist deshalb wichtig, in den ersten zwei Wochen der Eingewöhnung einen entsprechenden Freiraum einzuplanen und unbedingt eine Rufbereitschaft einzurichten, auch wenn beide Eltern berufstätig sind. Wir sind im Umgang mit unseren Kleinsten sehr erfahren, dennoch ist es ist nicht auszuschließen, dass das Kind seine Eltern einmal während des Tages braucht.

Bei dem ersten Besuch des Kindergartens strömen ganz viele Eindrücke auf das Kind ein. Es reicht, wenn das Kind eine halbe Stunde bis eine Stunde in der Gruppe ist. Als „Anker“ braucht es ein Elternteil, das in der Gruppe anwesend sein sollte. Das Kind kann so mit einem Gefühl der Geborgenheit das Gruppengeschehen beobachten und neue erste Bindungen aufbauen.

Für den zweiten Tag, das Kind sollte in etwa zur gleichen Zeit wie am Vortag gebracht werden, reicht eine Präsenzzeit von einer Stunde völlig aus.

Auch der dritte Tag kann ähnlich ablaufen wie der Vorherige.

Wichtig ist, dass Eltern nicht in der Gruppe Spielpartner des eigenen Kindes oder anderer Kinder werden. Ihre Aufgabe ist es einzig, durch die Anwesenheit dem Kind Sicherheit und Geborgenheit zu geben, das es für seine weiteren Erkundungen in der Gruppe braucht. Das Kind soll aber versuchen, erste Schritte alleine in der Gruppe zu gehen. Eltern bleiben einfach nur im Hintergrund.

Es sollte sich ergeben, dass das Kind im Beisein der zuständigen Erzieherin von dem anwesenden Elternteil gewickelt wird. Das Kind kann sich dann so an seinen neuen Wickelplatz gewöhnen.

Am vierten Tag können Eltern schon einen ersten Versuch machen, sich nicht mehr in Sichtweite des Kindes aufzuhalten. Das Kind könnte beispielsweise alleine am gemeinsamen Frühstück der Gruppe teilnehmen. Und wir gewinnen damit einen ersten Eindruck, wie sich das Kind in Abwesenheit der vertrauten Person verhält.

Es ist durchaus denkbar und sinnvoll, wenn der Elternteil dann auch den Kindergarten verlässt. Dann würden wir eine Absprache über die Rückkehr treffen und uns eine Rufnummer geben lassen. Sollte das Kind mit der Trennung noch überfordert sein und sich selbst nach kurzer Zeit nicht beruhigen lassen, würden wir anrufen.

Am fünften Tag könnten wir es vielleicht schon wagen, einen längeren Trennungszeitraum zu vereinbaren. Auch hier ist eine Rufbereitschaft unverzichtbar. Wenn es am Vortag geklappt hat, heißt das noch lange nicht, dass auch dieser Tag gut läuft.

Vielleicht kann das Kind dann auch schon am gemeinsamen Mittagessen teilnehmen. Je nach Situation könnte jemand entweder in Sichtweite oder im Personalraum sein.

Die kommenden Tage sollten in einem ähnlichen zeitlichen Rhythmus verlaufen. Wir versuchen dann aber, die Trennungszeiten immer ein wenig zu erweitern.

Auch Eltern brauchen Geduld! Die Eingewöhnungszeit ist eine wirklich große Umstellung für das Kind. Sollte alles nicht so reibungslos verlaufen, sollten sie sich nicht entmutigen lassen.

Eine wichtige erste Etappe ist erreicht, wenn sich das Kind von uns wickeln und trösten lässt sowie gegebenenfalls den Mittagsschlaf bei uns macht.

Selbst dann sollten Sie das Kind noch nicht den ganzen Tag in der Einrichtung verbleiben. Ein Abholen nach dem Mittagschlaf ist ratsam. Der Mittagsschlaf wird nach Absprache mit den Erziehrinnen individuell geplant. Wir respektieren die Elternwünsche und werden sie auch nach Möglichkeit erfüllen.

Wir betrachten die Eingewöhnungszeit als abgeschlossen, wenn das aufgenommene Kind Vertrauen zu einer Bezugsperson des Teams gefunden hat. Wir sehen das ganz gut daran, ob sich das Kind in schwierigen Situationen trösten lässt. Eine zuverlässige Bindung zur Erzieherin ermöglicht es dem Kind, sich sorglos seine neue Lebens- und Erfahrungswelt zu erschließen und sich wohl zu fühlen.

Wie wichtig die Eingewöhnungszeit ist, haben langjährige wissenschaftliche Studien in Berlin gezeigt. In Anlehnung an das „Berliner Modell“ haben wir daraus unser eigenes, auf unsere Einrichtung, den Bedürfnissen unserer Eltern und Kinder abgestimmtes Modell entwickelt.

Eine behutsame Eingewöhnung sowie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist die beste Voraussetzung und Basis für eine positive frühkindliche Entwicklung. Eltern spielen eine entscheidende Rolle: Nur wenn sie uns vertrauen, kann auch das Kind uns vertrauen. Und nur wenn sich das Kind wohl fühlt, kann es entspannt und selbstsicher den Kindergartenalltag meistern.

Und schließlich: Zur Überbrückung des Trennungsschmerzes legen wir für jedes neue Kind ein kleines Fotoalbum an, das sich die Kinder jederzeit holen können, wenn sie Heimweh haben. Dass sie in der ersten Zeit ihr Kuscheltier, Nuki etc. mitbringen und benutzen dürfen, ist für uns selbstverständlich.

Freiraum und Regeln
Bildung und Erziehung wird in unserer Zeit sehr stark unter dem Aspekt gesehen, besonders auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder zu achten, sie in ihren Fähigkeiten zu unterstützen, ihr Potenzial zu erkennen und sie individuelle bestmöglich zu fördern. Dem tragen wir Rechnung, insbesondere auch indem wir ihnen den Freiraum geben, den sie zu ihrer Entfaltung benötigen.

An anderer Stelle wurde ausgeführt, dass die Kinder im Kindergarten grundlegend neue Erfahrungen machen. Eine der wichtigsten ist, dass sie in der Regel anders als in den Familien dauerhaft mit vielen anderen Kindern zusammen sind. Die eigenen Bedürfnisse konkurrieren zwangsläufig mit denen der Gruppenmitglieder. Auch die Aufmerksamkeit der Erzieherinnen müssen sie sich teilen.

Daraus ergeben sich Interessenskonflikte, die von manchen Kindern durchaus als Grenzerfahrungen erlebt werden - eine durchaus wichtige Erfahrung. Die Kinder müssen lernen, dass die persönliche Freiheit ihre Grenzen durch die berechtigten Interessen der anderen Kinder, des Personals und der Gruppe als Ganzes findet.

Im Zusammenleben sind Konflikte normal. Konfliktlösungen erfordern Kompromisse. Diese auszuhandeln und zu akzeptieren, ist ein wichtiger Lernschritt für Kinder, um in einer Gemeinschaft leben zu können.

Eine entscheidende Rolle in diesem Zusammenhang spielen klare Strukturen und Regeln, am offensichtlichsten im kindlichen Freispiel. Unsere teiloffene Konzeption stellt in erhöhtem Maß Anforderungen an die Entscheidungsfähigkeit und Selbstverantwortlichkeit der Kinder. Umso mehr ist es Aufgabe unseres Kindergartens, die Bedeutung von Regeln und deren Befolgung einsichtig zu machen.

Die Kinder werden die Regeln nur dann beachten können, wenn sie sie einsehen und nachvollziehen können. Sinnvollerweise sollten sie bei der Erstellung mitwirken, es sind dann auch ein Stück weit ihre Regeln. Sie achten dann auch untereinander auf deren Einhaltung. Ihre Zahl muss überschaubar sein: So wenig Regeln wie möglich, soviel Regeln wie nötig.

In der Praxis sind u.U. „unfertige“ eigene Formulierungen der Kinder wertvoller als ausformulierte Regeln, die die Kinder letztlich nicht erreichen. Letztere können im Lauf der Kindergartenpraxis im Miteinander entstehen.

Die Erzieherinnen müssen die Einhaltung der Regeln konsequent einfordern, sich aber auch ihrer Vorbildrolle bewusst sein und sich selbst daran halten.

Darüber hinaus müssen den Kindern die Folgen einer Regelverletzung klar sein. Sie sollten gut überlegt, angemessen und durchführbar sein.

Zu einem sinnvollen Miteinander gehört zwangsläufig die Reflexion über Verhaltensweisen. Es kann sich herausstellen, dass bestimmte Regelungen nicht sinnvoll sind oder nicht mehr gebraucht werden, z.B. weil sich die Umstände geändert haben. Dann muss es möglich sein, Regeln zu verändern.
Gruppenübergreifendes Konzept
Das hier im Anschluss vorgestellte „gruppenübergreifende“ Konzept ist das Ergebnis eines langjährigen Prozesses in unserer Kindergartenarbeit. Wir verbinden damit zwei unterschiedliche Gedanken und nutzen deren Vorteile:

Einerseits kommen wir an der Beobachtung nicht vorbei, dass der Entwicklungsstand der Kinder in der Zeit zwischen drei und sechs Jahren außerordentlich unterschiedlich ist. Ein Angebot, das stets alle Kinder einer altersgemischten Gruppe ansprechen soll, steht ständig in der Gefahr, die Großen zu unter- und die Kleinen zu überfordern.

Andererseits betonen Untersuchen zu dieser Thematik immer wieder, wie wichtig es ist, dass jüngere von älteren Kindern viel lernen können und sollen, dass viele soziale Kompetenzen gerade im Umgang innerhalb solcher heterogenen Gruppen erworben werden.

Wichtig ist uns schließlich noch, dass alle Kinder „ihre Heimat“ im Kindergarten haben, also eine feste Bezugsgruppe mit stabilen Beziehungen der Kinder untereinander und natürlich zu den Erzieherinnen.

In unserem teiloffenen Konzept berücksichtigen wir alle diese Aspekte – zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlicher Weise:

An anderer Stelle wurde ausgeführt, wie wichtig das „Freispiel“ im Kindergartenalltag ist. In diesen Phasen können die Kinder ihren Spielort gruppenunabhängig und damit altersgemischt (roter und blauer Gruppenraum, Foyer) wählen. Ein durchaus wichtiger Nebeneffekt ist, dass die Kinder nun auch von den anderen Teammitgliedern als ihren festen Erzieherinnen beobachtet werden. Der Austausch über die Entwicklung der einzelnen Kinder steht auf einem breiteren Fundament, was wiederum die Beratungsgespräche mit den Eltern bereichert.

Umgekehrt machen wir viele Angebote mit altershomogenen Gruppen. Es ist sicher leicht nachvollziehbar, dass die Arbeit damit viel effektiver sein kann, weil die Unterschiede insgesamt nicht so groß sind und wir damit viel individueller auf die Kinder eingehen können.

Dennoch sind alle Kinder Stammgruppen (rot, gelb, blau) zugeordnet, in denen sie sich heimisch fühlen.

Aus der Erfahrung der letzten Jahre sehen wir in der Verknüpfung von Stammgruppen mit ihren Funktionsbereichen und Gruppen übergreifenden altershomogenen Angeboten eine gute, produktive und effektive Möglichkeit, den jeweiligen Entwicklungsstufen der Kinder gerecht zu werden und gleichzeitig die soziale Entwicklung der Kinder durch die Altersmischung zu fördern.
Besondere Rolle des Freispiels
„Spielen ist eine Tätigkeit, die man nicht ernst genug nehmen kann“
Jaques-Yves Cousteou

Spielen ist eine elementare Ausdrucksweise des Kindes in der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt. Es ist ganzheitlich, es findet keine Trennung nach emotionalen kognitiven, sozialen oder motorischen Fähigkeiten statt.

Die Wirklichkeit ist komplex. Das Kind hat besonders im Freispiel die Möglichkeit, seine Eindrücke und Wahrnehmungen auf vielfältige Art zu verarbeiten. Viele Situationen wird es wiederholen und variieren. So beschäftigt es sich mit den verschiedenen Aspekten des Erlebten. Es bestimmt selbst, wann, wo, womit und mit wem es sich beschäftigt.

In der Auseinandersetzung mit den Rollen wird deutlich, dass das Verhalten von Regeln bestimmt wird, die den Kindern zunächst nicht bewusst sind. Sie werden deutlich, wenn Konflikte auftreten und nach Lösungen gesucht werden muss, um weiter spielen zu können. Die Kinder machen Lernprozesse durch, die für ihr weiteres Leben von extremer Bedeutung sind.

Sie werden – besonders in der Schule – immer wieder in Gruppen arbeiten und müssen spätestens bis dann über Möglichkeiten verfügen, Konflikte auszuhalten und konstruktiv miteinander umzugehen.

Im Freispiel wird die kindliche Fantasie angeregt. Noch ohne Leistungs- und Zeitdruck können die Kinder mit den unterschiedlichen Materialien und Gegenständen zweckfrei Bereiche aus ihrem Erfahrungs- und Lebensraum nachgestalten.

So gesehen ist Freispiel gerade nicht „Geschehen lassen“, sondern ganzheitliche Auseinandersetzung mit der Lebensumwelt in einem geschützten Freiraum. Sein Wert im Hinblick auf die Persönlichkeitsbildung kann nicht überschätzt werden - der Kindergarten hat hier eine wichtige Funktion und muss genügend Zeit für diese Art des Lernens einräumen.

Wir Pädagogen haben im Freispiel die Möglichkeit, das Kind in den unterschiedlichsten Situationen zu beobachten und somit seinen Entwicklungsstand und seine soziale Stellung innerhalb der Gruppe zu sehen. Unserer Aufgabe ist es, spielbegleitend zu sein und Spielimpulse zu setzen, falls dies erforderlich ist.

Die Rolle der ErzieherInnen
Kindern ist der Forscher- und Entdeckergeist angeboren. Wichtig ist, diese Neugier zu erhalten, hierfür ist unser Vorbild entscheidend. Wir wollen den Kindern nicht nur festgelegtes Wissen vermitteln, sondern sie darin bestärken, eigene Lösungen und Wege zu finden. Dabei können sich die Kinder jederzeit unserer Unterstützung sicher sein, wenn sie Hilfe brauchen. Die unserer Absicht angemessene Form der Hilfe sind Impulse, die die Kinder zur Problemlösung anregen oder Vorschläge, wie man vorgehen könnte.

Ein Kind ist kein Erziehungsobjekt, welches sich nach unseren Vorstellungen beliebig formen lässt. Wir wollen die Kinder in ihren individuellen Lernprozessen begleiten.

Grundlage für die Ermittlung der Bedürfnisse des Einzelnen sind intensive Beobachtung, ständige Reflexion der täglichen Arbeit und der Austausch der MitarbeiterInnen untereinander.

Eine weitere Aufgabe der ErzieherInnen ist die Schaffung einer Umgebung und Atmosphäre, in der das Kind einerseits genügend Sicherheit verspürt, um sich die Welt weitgehend eigenständig zu erobern, die andererseits aber viel Freiraum lässt, um ein individuelles Lernen in einem individuellen Lerntempo zu ermöglichen.

Zusammenarbeit mit den Eltern
Alltagsleben und -erfahrungen im Kindergarten werden von den Kindern nicht losgelöst von entsprechenden Erfahrungen in der Familie erlebt. Da jedoch sowohl Eltern als auch Erzieher/innen nicht immer über die jeweils andere Hälfte des Tages der Kinder informiert sein können, wünschen wir uns ein regelmäßiges Gespräch zwischen Eltern und Erzieher/innen. Grundlage dieser Zusammenarbeit ist die gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten.

Die Verantwortung der Eltern für ihre Kinder endet nicht am Tor des Kindergartens. Ebenso haben die Erzieher/innen die ganze Lebenswelt der Kinder bei ihren Planungen zu berücksichtigen.

Gegenseitiges Vertrauen und Verlässlichkeit bilden die Basis für eine gute Zusammenarbeit. Mit dieser Basis kann sich das Kind trauen neue Wege zu gehen, denn in der Regel ist der Kindergarten die erste Institution in der sich das Kind über einen längeren Zeitraum ohne seine direkte Bezugsperson aufhält.

Weil die Kinder einen erheblichen Teil des Tages im Kindergarten verbringen, sehen wir es als wichtige Aufgabe an, unsere Beobachtungen weiterzugeben, über den Entwicklungsstand ins Gespräch zu kommen und uns immer wieder über ein gemeinsames Vorgehen in Erziehungsfragen zu verständigen. Wir verstehen uns in unserer täglichen Arbeit als Ansprechpartner in pädagogischen Fragen. In besonderen Fällen können wir auf ein Netzwerk von Beratungs- und Hilfsangeboten zurückgreifen.

Dokumentation und Elterngespräche
Ein wichtiger Bestandteil der Kindergartenarbeit ist die Bildungsdokumentation. Bildung ist die aktive Auseinandersetzung des Kindes mit seiner Umgebung basierend auf seinen bisherigen Erfahrungen. Mit unserer Bildungs- und Erziehungsarbeit möchten wir darauf hinwirken, dass alle Kinder eine gleichberechtigte Chance erhalten, sich entsprechend ihren Fähigkeiten zu entwickeln.

Nach schriftlicher Zustimmung der Eltern wird während der gesamten Kindergartenzeit die Entwicklung des Kindes dokumentiert. Wir bedienen uns hierzu der elektronischen Dokumentation mit „Gabip“. Es ist ein eigens für Kindergärten entwickeltes Programm zur Bildungsdokumentation, das von uns in den Textbausteinen an unsere Anforderungen angepasst wurde.

Ein weiterer Baustein der Dokumentation ist der Portfolioordner der Kinder und die Bildermappe.

Beides dient als Grundlage für die zweimal im Jahr stattfindenden Entwicklungsgespräche mit den Eltern.

Für unsere neuen Eltern bieten wir nach den ersten drei Monaten ein Reflexionsgespräch an. Hier geht es in erster Linie darum, wie das Kind bei uns angekommen ist, wie es sich in der Gruppe verhält, was schon gut klappt und wie es ihm und Ihnen als Eltern grundsätzlich geht.

Kindliche Sexualität
Zu diesem Thema gibt es viel Literatur. Es wäre nicht möglich und ist sicherlich auch nicht nötig, sich in aller Ausführlichkeit an dieser Stelle damit zu beschäftigen. Im Grunde möchten wir nur einerseits um eine gewisse Gelassenheit und andererseits um das Vertrauen bitten, dass wir viel Erfahrung haben und uns verantwortungsbewusst um die Kinder kümmern. Deshalb nur so viel:

Kinder sind normalerweise in jeder Beziehung neugierig, haben deshalb auch ein natürliches Interesse am menschlichen Körper. Sie sehen, fühlen und begreifen ihre eigene Entwicklung und die anderer durch das kindliche Spiel. Dabei beziehen sie auch ihre Sexualität und ihre körperliche Reifung ein. Das ist völlig normal.

Wir beobachten das Gruppen- bzw. Spielgeschehen und achten darauf, dass Kinder nicht über das normale Maß hinaus übergriffig werden. Wir geben ihnen aber auch die Möglichkeit, über ihre Gefühle zu sprechen und ihre Fragen zu stellen. Wichtig ist uns dabei, dass sie anderen Kindern gegenüber den gleichen Respekt und die gleichen Achtung aufbringen, wie sie sie selbst erwarten dürfen.

Das letzte Kindergartenjahr
Dem letzten Kindergartenjahr kommt im Hinblick auf die Einschulung eine besondere Bedeutung zu. Die Kinder werden von uns auf die deutlich veränderten Anforderungen der Schule (längere Konzentrationszeiten, Stillsitzen, Anweisungen folgen) vorbereitet. Aus diesem Grund machen wir alle Angebote aus den einzelnen Schwerpunktbereichen verpflichtend. Dazu kommen weitere Angebote wie das Führen eines Aufgabenheftes und der Schultreff.

Im Aufgabenheft finden die Kinder eine Auflistung von Spielen, Arbeitsblättern und Angeboten, die sie selbständig und über das Jahr verteilt vollständig ausführen sollen. Für jedes selbständig bearbeitete Spiel, Arbeitsblatt oder Werkstück (weben, sticken etc) gibt es einen Stempel. Ziel ist es, dass die Kinder dabei unterstützt werden, sich selbst zu organisieren.

Der wöchentliche Schultreff findet in Einheiten von 30 - 45 Minuten statt. Die Kinder sollen konzentriert an einer gestellten Aufgabe bleiben, die vorher genau erklärt wird.
Es können dazu noch Fragen gestellt werden, aber dann sollen die Kinder selbständig arbeiten und die Aufgabe möglichst zum Ende bringen. Nur wenn sie gar nicht mehr weiterkommen, können sie die Erzieherin fragen.

Inhalte sind in erster Linie Vorübungen zum Schreiben, Wahrnehmungs- und Konzentrationsübungen.

Im letzten Kindergartenjahr finden verstärkt Exkursionen in die Natur, ins Theater oder Museum statt.

Und schließlich steht am Ende der Kindergartenzeit als Höhepunkt die alljährliche Abschlussaufführung an. Das Team sucht ein geeignetes Stück aus, für das wir bereits ab Jahresanfang zu proben beginnen. In den Kindergartenalltag eingebettet lernen die Kinder kleine Texte oder auch schon Lieder, die später im Stück verwendet werden. Die „heiße Phase“ beginnt etwa einen Monat vor der Aufführung. Es ist ganz wichtig, dass die Kinder in dieser Zeit nicht verreisen, bei der Oma sind etc. Sie bereiten sich sehr intensiv auf ihre Rollen vor, scheuen keine Anstrengung und sind nach der Aufführung überaus stolz, dass sie ein richtiges Bühnenstück geschafft haben. Es ist ihr erster Auftritt mit ganz großem Applaus.

Der letzte Fixpunkt ist die Übernachtung im Anschluss an das Theaterstück zusammen mit der Nachtwanderung.